Mich unterscheidet von anderen Menschen meine fehlende linke Hand. Vor 21 Jahren bin ich ohne sie auf die Welt gekommen.
Die Menschen sind sehr neugierig. Von frühestem Kindesalter bis zum Erwachsenwerden wollen wir wissen, worin wir uns von den anderen unterscheiden. Wenn man mir diese typische Frage stellt: “was ist dir passiert”?, so antworte ich immer: “Ich habe sie aufgegessen!”
Die Menschen sind dann immer sehr überrascht, aber mit einem Lächeln erkläre ich Ihnen dann, dass ich, während meine Mutter mit mir schwanger war (ihr habe ich alles zu verdanken), immer meine Hand in meinem Mund hatte, folglich konnte sich diese nicht normal entwickeln. Sie ist nur im Ansatz entwickelt, deswegen habe ich diese kleinen Fingerchen, die zwar begonnen haben, sich zu entwickeln, aber nicht bis zur Vollkommenheit. Viele Kinder sagen mir, dass meine Hand wie ein Puppenhändchen aussieht, weil sie sehr klein ist und 5 winzige Fingerchen hat.
Für mich ist es wichtig, die Unterstützung meiner Mutter Ofelia zu erwähnen; dank ihr habe ich alles gelernt, was man im Leben wissen muss, und sie hat mir auch beigebracht, dass es im Leben keine Schranken oder Hindernisse gibt – man muss nur immer die Wege suchen, zum Ziel zu kommen. Wenn jemand etwas mit 10 Fingern macht, warum soll ich es dann nicht auch mit 5 Fingern schaffen, zumal mein Arm ja sehr beweglich ist.
Ich bin zutiefst dankbar, dass ich es bisher immer geschafft habe, alles zu erreichen was ich mir vorgenommen habe. Wenn man mich allerdings fragt, ob es auch etwas gibt, was ich mir erträumte aber bisher nicht verwirklichen konnte, so muss ich eingestehen, dass es immer mein grösster Wunsch war, Klavier spielen zu können. Seit frühester Kindheit habe ich davon geträumt, aber ich bin nie zu einer Schule oder Akademie gegangen, da ich einfach wusste, dass es mir mit meinen 5 unterentwickelten Fingern nicht vergönnt sein würde, diese Kunst zu erlernen.
Dieses war dann zum Beispiel einer dieser Momente, wo ich mir wirklich zutiefst wünschte, nicht dieses Problem mit meiner Hand zu haben. Dass dieser Wunsch niemals in Erfüllung gehen wird, bedarf einer schwierigen Akzeptanz.
Meine Mitmenschen haben mich stets unterstützt. Immer sagen sie diesen einen Satz: “Du kannst es!” Dies macht mir immer viel Mut, meinen Weg zu gehen, siegreich zu sein, weil die alleinige Tatsache, einfach anders zu sein, nicht heissen muss, seine Träume aufgeben zu müssen und seine Ziele nicht zu erreichen.
Einigen fällt dieses schwerer als anderen, das ist wahr! Aber warum sollte man den einfachsten Weg wählen, wenn es doch so wunderschön ist, sich wirklich für etwas in´s Zeug zu legen, um dann anschliessend in vollen Zügen den Moment zu geniessen, am Ziel angekommen zu sein!
Dieser Ausdruck “Ich kann das nicht”, ist der erste, den wir aus unserem Wortschatz streichen müssen! Die Aufgabe, die wir vor uns haben, dass wir eine “Andersartigkeit” haben, ist sehr gross. Es geht darum, der Gesellschaft ohne Einschränkungen zu zeigen, dass alles ohne Ausreden möglich ist!
Wir müssen einfach nur unseren Mitmenschen zeigen, dass es auf die inneren Werte ankommt, unsere Träume, unsere Gefühle, unsere Bestrebungen, und die Lust zu kämpfen.
Nur so können wir lernen, uns selbst zu mögen, mit unseren Unterschieden und Ähnlichkeiten, sowohl mit dem Positiven als auch mit dem Negativen.
Als Individuen haben wir das Glück , selbst entscheiden zu können, was wir aus unserem Leben machen wollen. Lasst uns einfach die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, und lasst uns akzeptieren, wie wir sind, damit die anderen uns ebenso akzeptieren und anerkennen.





