Katheryn Mendoza

Ich bin blind. Meine Behinderung ist die Folge eines Ärztefehlers: nach nur 6 Monaten Schwangerschaft kam ich als Frühgeburt zur Welt, und wurde sofort in den Brutkasten gelegt. Da die Ärzte meine Augen nicht ausreichend schützten, verbrannten mir das starke Licht und der Sauerstoff meine Netzhaut. Der medizinische Name meiner Diagnose ist als “retro lental fibroplasie(spanisch)” bekannt.

Meine Familie hat alles erdenkliche getan, damit diese Behinderung mich in meinem Leben nicht allzusehr beeinträchtigt. Es fand stets eine Gleichbehandlung statt, aber  letzlich neigen Familien mit  blinden Angehörigen  dazu, diese übermässig zu schützen, was sich für uns auf die Dauer nachteilig entwickelt.

Wir werden übermässig  verwöhnt, sie bringen und holen uns zu allen Angelegenheiten ab, was dazu führt, dass wir uns schliesslich nutzlos vorkommen. Ich bin mir klar darüber, dass dies aus  Sorge und sehr viel Liebe um uns geschieht, und dass das Motiv nicht darin liegt, dass sie nicht wollen, das wir Fortschritte machen.  Es gibt einfach zu viel Angst, dass uns etwas bei irgeneiner Aktivität zustossen könnte.


Diese übertriebene Fürsorge hat mich insofern in meinem Leben beeinträchtigt, als dass ich selbständig an gewisse Orte gelangen wollte, aber einfach nicht erlernt habe, wie ich alleine dorthin kommen sollte. Dies´ging nur, wenn mich jemand begleitete, und das war sehr frustrierend für mich.

Mit der Zeit wurde meiner Familie deutlich, dass mein Blindsein nicht unbedingt ein Hinderniss darstellen muss für alles, was ich zu tun gedenke. Sie haben sie alles getan, um mir die “Türen zur Welt” zu öffnen. Sie haben mir sogar erlaubt, mich alleine auf der Strasse und auf öffentlichen Plätzen zu bewegen. Nur an einige bestimmte Orte lassen sie mich nach wie vor nicht alleine gehen. Ich bin mir sicher, dass sie mit der Zeit auch lernen werden, dass ich mich überall auf der Welt frei bewegen kann, ohne dass mir etwas Schlimmes zustossen wird.

Im  Grossen und Ganzen hat meine Behinderung nicht dazu geführt, nicht ich selbst zu sein. Ich halte mich für jemand, der sehr hartnäckig ist und der immer das erreicht, was er sich vornimmt,  obschon  der Preis hierfür manchmal etwas höher ist.

Einmal habe ich gemerkt, dass ich an meine Grenzen stiess:   ich wollte es erlernen, dieTarot-Karten zu lesen,  und es gab Leute, die mich unterschätzten und mir sagten, ich könne dies nicht erlernen, da diese Kunst  nur von sehenden Menschen ausgeführt werden kann. Sie waren einfach nicht in der Lage, mich  zu unterrichten und haben es nicht einmal versucht, einen Weg oder eine Strategie zu finden.

Es gab aber auch Menschen, welche an mich und meine Lernfähigkeit glaubten, und die dann beschlossen, mir beim Erlernen des Tarots zu helfen und diese Herausforderung anzunehmen.

In meinem Land fehlt es noch an sehr viel Kultur im Umgang mit blinden Menschen: ich habe alle möglichen Arten von Personen kennengelernt: die, die mir mit ehrlicher Bewunderung begegnen, bis hin zu denen, die mich mit Mitleid bis hin zu Abscheu oder Widerwille betrachten, da sie glauben, dass Blindheit ansteckend ist. Ich achte nicht so besonders auf solche Leute, da ich sicher bin, dass auch sie eines Tages lernen werden, dass ein Blinder oder ein Mensch mit einer Behinderung alles machen kann was er möchte, unabhänging von allen Schranken und Hindernissen, die sich ihr oder ihm in den Weg stellen können.

Wenn ich in einer Gruppe bin, in der die Menschen meine Behinderung als etwas natürliches akzeptieren, fühle ich mich integriert und glücklich. Jedes Mal  wenn dies geschieht, fühle ich, dass wir riesige Fortschritte machen bezüglich der Integration von Behinderten in die Gesellschaft, welche bislang leider immer noch unwissend, feindselig und rücksichtslos gegenüber behinderten Menschen ist, und  die egoistisch ist, ohne sich Gedanken um die Bedürfnisse der anderen zu machen.

Ich habe  seit ich denken kann gelernt,  mit dieser Behinderung zu leben, aber wenn ich etwas tun möchte und dies aufrund meiner Behinderung nicht erreiche, wünsche ich mir  zutiefst, nicht blind zu sein. Allerdings versuche ich, mein Ziel auf anderen Wegen zu erreichen.

Der Gesellschaft würde ich raten,  übertriebene Fürsorge zu unterlassen, da diese zu Frustation führt und dem Wunsch, nicht behindert zu sein.
Menschen, welche wie ich mit solchen Hindernissen im Leben klarkommen müssen, würde ich raten, nie aufzugeben. Wir sind alle auf diese Welt gekommen, um eine Mission zu erfüllen, um glücklich zu sein und andere glücklich zu machen, und ich kann zum Abschluss nur sagen: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg!

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